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 Twity-Autor :

 

Herzlich willkommen auf dem Blog von Twity-Autor! Hier könnt Ihr kostenfrei Gedichte und noch so Allerlei lesen, welches meiner Feder und meiner Fantasie entsprungen ist. Und wenn Euch hier etwas gefällt, dann sagt es einfach weiter... :-)

Ich schreibe bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich fiktiv und dies schon einige Jahre. Also bitte die Inhalte der Gedichte nicht auf mich beziehen.

Ich wünsche allen viel Spass beim Lesen und beim Stöbern!!!

 

Das  C O P Y R I G H T  liegt ausdrücklich einzig und allein bei Twity-Autor!

Ohne vorherige  Zustimmung darf nichts kopiert werden!!! 


Auf Anfrage bin ich aber gerne bereit eine Kopiererlaubnis zu erteilen, allerdings nur -  wenn kein kommerzielles Interesse besteht und dies nur für den privaten Gebrauch gedacht ist.

Alle Texte von Twity-Autor sind im Sinne des Urheberrechts gesetzlich geschützt. Werden Texte oder Textauszüge ohne meiner Kennntnis gedruckt und online anderweitig verwendet und kopiert, und ohne meine ausdrückliche Genehmigung veröffentlicht, wird dies strafrechtlich Schritte mit sich ziehen!

 

Einen lieben Gruß und ein herzliches Dankeschön für Ihren Besuch! :-) :-)

 


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Blog

Rote Äpfel


Letzte Blätter winken,

blaue Meisen trinken,

aus dem Apfel Saft.

Wenn gelbe Blätter fliegen,

sich die Äste wiegen,

hat es der Herbst geschafft.


Das Obst wird eingefahren,

die letzten Blätter waren

verflogen mit der Zeit.

Bald liegen rote Äpfel

auf Tellern, wie die Kräpfel,

zur Weihnachtszeit bereit.


Doch manche füllen Schuhe,

gar heimlich und in Ruhe,

ist Nikolaus erst nah.

Der Abschied und die Freude

überwiegen heute,

bald ist auch Christkind da.


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Twity, 30.10.2017

© by Twity-Autor


Das Mäuselein



In Thüringen bei Saalfeld auf einem vornehmen Edelsitz zu Wirbach hat sich anfangs des XVII. Jahrhunderts folgendes begeben: Das Gesinde schälte Obst in der Stube, einer Magd kam der Schlaf an, sie ging von den andern weg und legte sich abseits, doch nicht weit davon, auf eine Bank nieder, um zu ruhen. Wie sie eine Weile stillgelegen, kroch ihr zum offenen Maule heraus ein rotes Mäuselein. Die Leute sahen es meistenteils und zeigten es sich untereinander. Das Mäuslein lief eilig nach dem gerade geklefften Fenster, schlich hinaus und blieb eine Zeitlang aus. Dadurch wurde eine vorwitzige Zofe neugierig gemacht, sosehr es ihr die andern verboten, ging hin zu der entseelten Magd, rüttelte und schüttelte an ihr, bewegte sie auch an eine andre Stelle etwas fürder, ging dann wieder davon. Bald darnach kam das Mäuselein wieder, lief nach der vorigen bekannten Stelle, da es aus der Magd Maul gekrochen war, lief hin und her, und wie es nicht ankommen konnte noch sich zurechtfinden, verschwand es. Die Magd aber war tot und blieb tot. Jene Vorwitzige bereute es vergebens. Im übrigen war auf demselben Hof ein Knecht vorhermals oft von der Trud gedrückt worden und konnte keinen Frieden haben, dies hörte mit dem Tode der Magd auf.


Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 247

Der Riesenfinger


Am Strand der Saale, besonders in der Nähe von Jena, lebte ein wilder und böser Riese; auf den Bergen hielt er seine Mahlzeit, und auf dem Landgrafenberg heißt noch ein Stück der Löffel, weil er da seinen Löffel fallen ließ. Er war auch gegen seine Mutter gottlos, und wenn sie ihm Vorwürfe über sein wüstes Leben machte, so schalt er sie und schmähte und ging nur noch ärger mit den Menschen um, die er Zwerge hieß. Einmal, als sie ihn wieder ermahnte, ward er so wütend, daß er mit den Fäusten nach ihr schlug. Aber bei diesem Greuel verfinsterte sich der Tag zu schwarzer Nacht, ein Sturm zog daher, und der Donner krachte so fürchterlich, daß der Riese niederstürzte. Alsbald fielen die Berge über ihn her und bedeckten ihn, aber zur Strafe wuchs der kleine Finger ihm aus dem Grabe heraus. Dieser Finger aber ist ein langer schmaler Turm auf dem Hausberg, den man jetzt den Fuchsturm heißt.


Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr.
136

Die Kartoffel


Die Kartoffel ist die Knolle,

die man immer essen solle,

in ihr steckt Gesundheit drin,

Pellkartoffeln machen Sinn,

denn im heißen Wasserbad

werden sie schön weich und smart,

sie entfalten ihre Stoffe

und ich wünsche und ich hoffe,

ihr verschmäht Erdknollen nicht,

denn sie drosseln auch Gewicht.

Aber nicht mit Fett und Sahne,

schreibt euch dies gut auf die Fahne,

denn dann machen sie auch dick,

deshalb öfters einen Blick,

auf die Menge von dem Fett,

dann ist alles gut und nett.

Und dann wirkt das hohe C,

das Vitamin der Gruppe B,

B1, B2, und fünf und sechs,

vom Kalium, Kalzium noch ein Klecks,

ihr Eisen tut uns immer gut,

im ganzen Körper und im Blut.


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Twity, 23.10.2017

© by Twity-Autor

Der Herbst hat viel gegeben


Wohin die Augen blicken,

die Flur ist voller Laub.

Es raschelt zwischen Füßen,

der Herbst lässt letztmals Grüßen,

bei seinem Blätterraub.


Die Stürme gern zerstieben,

bald fällt das letzte Blatt.

Die Pracht ist schnell vorüber,

die Tage werden trüber

und es gibt Regen satt.


Die Früchte sind geerntet,

die meisten Felder leer.

Doch Blumentöpfe trösten,

die kleinen und die größten,

das Herz wird nicht so schwer.


November wird sich zeigen,

bald geht das Jahr zur Neige.

Der Herbst hat viel gegeben,

verschönerte das Leben

und leerte alle Zweige.


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Twity, 22.10.2017

© by Twity-Autor


Halloween


Nicht jeder mag den Kürbis-Spaß,

Gespenster und ihr Treiben.

Und weil es gar so undeutsch ist,

da lasse ich es bleiben.


Da bleibt auch meine Türe zu,

sagt leise Nachbar Peter.

Denn ich will da meine Ruh',

und lachen tu ich später.


Ich mag auch nicht die Bettelei,

das Drohen an der Türe.

Letztes Jahr, da flog ein Ei,

weshalb ich Unmut spüre.


Sobald nur der Oktober naht,

da schwillt mir glatt der Kamm.

Zum Glück bleibt mir der Quatsch erspart,

ich schenke nicht ein Gramm.


Vielleicht schau ich durch den Spion

und lache mir 'nen Ast.

Zusammen mit dem Schwiegersohn,

der Halloween auch hasst.

 

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Twity, 20.10.2017

© by Twity-Autor

Der Eichelhäher bleibt daheim


Der Eichelhäher bleibt daheim,

wird keinen Zug ersteigen.

Der Vogelzug wird dennoch sein,

der Himmel wird ihn zeigen.


Der Kuckuck und die Nachtigall

und auch die weißen Störche,

versammeln sich auf jeden Fall,

verlassen Heim und Kirche.


Kiebitz, Schwalbe folgen schnell,

ihr Kompass wird sie führen.

Jetzt wird es wieder später hell,

die Kälte lässt sich spüren.


Die Graugans und der Kolibri,

der Kranich und der Star,

Lerche und die Mauersegler

ziehen jedes Jahr.


Und die Schnepfe folgt sogleich,

wie auch Kormorane.

Jeder zieht ins warme Reich,

unter fremder Fahne.

 

Beim Buchfink sind die Männer treu,

die Weibchen fliegen fort.

Rotkelchen ist dies auch nicht neu,

das Männchen bleibt vor Ort.


Buntspecht, Dohle, Haubenmeise,

Dompfaff, Fink und Kleiber,

gehen auch nicht auf die Reise,

verrät der Navi-Schreiber.


Zeisig, Sperling und die Meisen,

lieben ihr Revier.

Und sie wollen nicht verreisen,

bleiben immer hier.


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Twity, 19.10.2017

© by Twity-Autor



Die Eiche als Brotbaum


Im Mittelalter waren sie

bekanntes Nahrungsmittel.

Nicht nur für das liebe Vieh,

kochte mancher sie im Kittel.


Nussig schmecken sie, gar gut,

mit einer leichten Süße.

Man gerbte Eicheln ohne Hut

und hatte manchmal nasse Füße.


Vor der Kartoffel war sie da,

sie wurde Mehl und Malzkaffee.

War einst der Hunger plötzlich nah,

da wässerte man sie im See.


So konnte man sie danach rösten,

oder machte Kuchen, Brot.

Sie hielten sich bei Schnee und Frösten,

und halfen gar bei Hungersnot.


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Twity, 18.10.2017

© by Twity-Autor




Der Leierkastenmann


Hektik tötet jede Ruhe,

die Geschäfte gehen gut.

Nostalgie aus alten Zeiten,

spielt man im Zylinderhut.


Manche Füße bleiben stehen,

Menschen lauschen der Musik.

Und sie starren auf den Kasten,

Evergreens bringt er zurück.


Und es huscht so manches Lächeln,

über Lippen und Gesicht.

Und für eine kleine Weile,

merkt man all die Hektik nicht.


Stetig dreht er seine Kurbel,

jener Leierkastenmann.

Mancher kennt ihn schon persönlich,

überall kommt er gut an.


In der schönsten Straßengegend

orgelt er die Gassenhauer.

Prächtig pfeift es aus der Orgel,

und man huldigt den Erbauer.


Spaßig wippt sein weißes Bärtchen,

trommelt er im Takt dazu.

Denn er hat gut nachgerüstet,

und sein Affe ist der Clou.


Jener schunkelt, singt und klatscht

in den höchsten Tönen.

So ein Leierkastenmann

kann den Tag verschönen.


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Twity, 17.10.2017

© by Twity-Autor


Der übertriebene Stolz


Die Liebe traf auf großen Stolz,

er schaut auf sie herab.

Sie waren nicht vom selben Holz,

man sah jedoch wie jener schmolz,

vor Eigenliebe, nicht zu knapp.


Da himmelt ihn die Liebe an,

sie fühlt sich angezogen.

Doch weil er sich nur lieben kann,

verhöhnte er sie hiernach dann,

dann ist sie abgebogen.


Und irgendwann ward er gebrochen,

die Einsamkeit hat schwer genagt.

Da kam er bei ihr angekrochen,

und hat gar Besserung versprochen,

er hat den ersten Schritt gewagt.


Und weil die Liebe jeden liebt,

hat sie ihm gar vergeben.

Solange Stolz nicht krankhaft siebt,

und weiterhin so selbstverliebt

vergiftet Mensch und Leben.


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Twity, 14.10.2017

© by Twity-Autor


Keiler, Bache, Frischling


Keiler, Bache, Frischling

stöbern durch den Wald.

Dieser ist voll Blätter,

langsam wird es kalt.


Sie sind Omnivoren,

fressen kunterbunt.

Haben dichte Borsten,

manche Maus im Schlund.


Wie auch Knollen, Pilze,

Früchte und Insekten.

Hin und wieder Eier,

da sie die Kräfte weckten.


Und sie mögen Eicheln,

graben gern nach Wurzeln.

Mit Haderer und Hauer,

fressen sie beim Purzeln.


Kartoffeln, Schnecken, Mais,

Bodenbrüter, Gras,

ihr Rüssel sucht nach allem,

mitunter auch nach Aas.


Die Rauschzeit im Oktober,

hält bis Januar vor.

Und bereits im Frühjahr,

lauscht manches Frischlings-Ohr.


Denn Keiler und die Bache

haben sich vermehrt.

Acht kleine Säuger streiten,

im Unterholz erschwert.


Um eine der zehn Zitzen,

der Feind riecht diese bald.

Die Rotte wird sie schützen,

im artenreichen Wald.


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Twity, 11.10.2017

© by Twity-Autor


Die Vogelbeere


An Bäumen hängen rote Früchte,

auch Kleiber, Gimpel, Mönchsgrasmücke.

Sie mögen diese Vogelbeeren.

Auch Misteldrossel, rote Kehlchen,

schätzen sie als Vogelfutter.

Aber auch die Seidenschwänze

mögen sie sehr gern im Winter.

Wie auch Dachse und die Füchse,

weil sie gar nicht giftig sind.


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Twity, 09.10.2017

© by Twity-Autor

Die Waldarbeiter


Der Wald ist voller Bäume

und manche tragen Laub.

Wenn bunte Blätter fallen,

dann werden sie zu Staub?


Streifen gar Waldhüter

mit Bläser in den Wald?

Und stören manchen Brüter,

samt Nachwuchs beim Erhalt?


Kein Bläser oder Rechen,

kein Besen säubert ihn,

weil nämlich Waldarbeiter

durch ganze Wälder zieh'n.


Ob Füßler oder Ohrwurm,

ob Assel, Springschwanz, Milben,

bei jedem neuen Herbststurm,

sind sie die Humus bilden.


Samt Regenwurm und Pilzen,

dem Pilzgeflecht, Bazillen,

die alle Blätter filzen

und dies aus freiem Willen.


Die vielen Waldarbeiter

fressen Blatt für Blatt.

Myzel werden Aufbereiter,

und die Helfer werden satt.

 

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Twity, 09.10.2017

© by Twity-Autor


Der Lebenswille


Die Hoffnung ist stets guter Dinge,

sie lebt und ist auch immer da,

wo auch der Herrgott Aussicht bringe,

damit ein Unheil nicht gelinge,

drum sind die beiden immer nah.


Doch manchmal wenden sich die Sterne,

dann wird fürwahr viel abverlangt.

Dies sieht und hört man niemals gerne,

die Pläne rücken in die Ferne,

ist mancher plötzlich schwer erkrankt.


Dann ändert sich das ganze Leben

und alles wird neu hinterfragt.

Wird es persönlich Zukunft geben?

Wird man sogar den Tod erleben?

Die eigene Hoffnung wird vertagt.


Denn ungeahnte Ängste schüren,

jeden Zweifel, nehmen Kraft.

Doch Lebenswille öffnet Türen,

die Hoffnung kann man wieder spüren,

weil er fast immer alles schafft.


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Twity, 07.10.2017

© by Twity-Autor


Abends


Abends kehrst du bei mir ein,

mit verzücktem Lächeln.

Und wir trinken edlen Wein,

die Gefühle schwächeln.


An der Tür, ein lautes Wort,

der Nachbar hat kein Wasser.

Er treibt mir die Bilder fort,

diese werden blasser.


Meine Liebe geht dahin,

wie auch die Gedanken.

Als ich aufgestanden bin,

musste ich kurz schwanken.


Doch dann ging ich mit Verdruss

zu der Türe Schwelle.

Mit dem Klopfen war dann Schluss,

dank meiner Wasserquelle.


Und der Nachbar ging klitschnass,

von mir gut gebadet,

ärgerlich und etwas blass,

was nicht wirklich schadet,


in sein Stübchen nebenan,

um sich gleich zu föhnen.

Und ich selber schlief alsdann,

ohne laut zu stöhnen.


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Twity, 06.10.2017

© by Twity-Autor

Ehrlich und frei

 

Etwas mehr Einsicht

und weniger Wut

ständen mitunter

manchem sehr gut.


Zukunft braucht Frieden

und dieser kein Streit,

Hass und Verachtung

hren nicht weit.


Etwas mehr Wissen

und weniger Frust

wären viel besser,

dies steigert die Lust,


den Nenner zu finden,

gar ohne Geschrei,

denn gutes Gewissen

macht ehrlich und frei.


Ohne die Lüge,

durch wissende Kraft,

gestaltet man Zukunft,

die einiges schafft.


Für alle Menschen,

im eigenen Land,

durch alle Schichten,

mit stützender Hand.


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Twity, 05.10.2017

© by Twity-Autor

Aus gegebenem Anlass

 Thüringer Sagen

 

Aus gegebenem Anlass möchte ich erwähnen, Sagen sind keine Geschichten! :-) Und natürlich sind diese Sagen aus meinem Blog auch nicht von mir geschrieben. Deshalb steht auch immer eine Quellangabe darunter. Da ich Sagen persönlich schätze und gerne lesen mag, stelle ich sie hin und wieder auch ein.

Als Thüringer(in)  natürlich vorwiegend Thüringer Sagen! :-) Ich muss dabei immer wieder schmunzeln wenn ich sie lese. Die manchmal "verdrehte Ausdrucksweise" und Wortwahl von Sagen aus einem anderen Jahrhundert fasziniert mich immer wieder. Irgendwie hat man das Gefühl dieser Zeit für einen kurzen Moment sehr nahe zu sein. Und etwas über eine frühere Zeit und dem damaligen Gedankengut zu erfahren... :-) :-)

 

Lieben Dank für den Besuch und einen herzlichen Dank für das Lesen!

 

MfG Twity-Autor

 

Mönch und Nonne


Angesichts der Wartburg und ganz nahe der Trümmerstätte der zerstörten Dynastenburg Mittelstein, jetzt Mädelstein geheißen, stehen zwei Steinfelsen, die sind so zueinander geneigt, daß sie sich zu Häupten fast berühren, und heißen Mönch und Nonne. Da es in Eisenach noch Klöster gab, waren drunten in einem ein Mönch, im andern eine Nonne, die liebten einander und verabredeten auf dieser Höhe ein Stelldichein, auf einer Stelle, wo man von der Stadt aus nicht gesehen werden konnte. Sie herzten sich und küßten sich und verwünschten den Klosterzwang, der sie für ewig trennte, und wünschten, wie Liebende tun, sich ewig nahe sein, sich ewig küssen zu können. Und da sie dies so beweglich wünschten, so ward der Wunsch erfüllt, sie wurden zu hohen Steinfelsen, die von weitem gesehen immer noch menschliche Gestalt zu haben und einander zu küssen scheinen.

 

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

Geheul und Geschrei


Zu Frankenhausen, der alten Salzstadt, deren Quellen die Franken behaupteten, als in den frühen Zeiten Sachsen, Franken und Thüringer in diesen Gegenden blutige Kämpfe miteinander hatten, und die von den Franken ihren Namen trägt, ist noch ein Rest der alten Schirmfeste gegen die Sachsen im Hausmannsturm, der Altenburg oder dem alten Frankenhause zu erschauen. Dort war auch ein Zisterziensernonnenkloster zu Sankt Georg, und in dessen Kirche stand ein Wunderbild der heiligen Jungfrau Maria. Selbiges Bild zeigte ein liebliches Engelantlitz und war sanft gerötet, holdselig zu erblicken in guter und glückseliger Zeit. So aber trübe Zeiten herannaheten, verblich des Bildes Farbe und lieblicher Schimmer, und also geschähe es auch im Jahre 1525, da der wilde Schwarmgeist die Bauern zu hellem Aufruhr nötigte, da sie Burgen und Klöster brachen, ausplünderten und einäscherten. In jener Zeit sind die Klöster Ilfeld, Walkenried, Volkenrode, Kelbra, Sittichenbach, Oldisleben und andere mit ihren herrlichen Kirchen ganz verwüstet worden, bis die Zuchtrute wie ein Wetter des Herrn auf die Raubrotten niederschlug.

 

Das war die Zeit, wo Thomas Münzer den Agitator spielte und das Volk aufwiegelte und seine Regenbogenfahne wehen ließ und deren etwa fehlendes Rot mit dem Blut der gemeuchelmordeten Abgesandten der Fürsten ersetzte. Dem Bauernheer waren aus Frankenhausen und allen Dörfern der Umgegend die Weiber und Kinder der Gideonstreiter, die in ihrer Verblendung dem Münzer folgten, auch nachgefolgt, die bargen sich in einem Walde, von wo aus sie den Berg über der Stadt sehen konnten, auf dem das Bauernlager aufgeschlagen war. Da nun die Schlacht mit den Herren der gegen das Bauernheer herangezogenen verbündeten Fürsten, dem Kurfürsten Johann und Herzog Georg zu Sachsen, dem Herzog Heinrich zu Braunschweig, Landgraf Philipp zu Hessen, den Harz- und ändern Grafen, nachdem die zu gütlichem Vergleich entsandten Botschafter ermordet worden waren, entbrannte, Thomas Münzers lügnerisches Maulwerk, womit er die armen Bauern betört und verrückt gemacht hatte, sich als ein klarer und barer Trug erwies und über siebentausendfünfhundert Bauern mit ihren blutigen Leibern die Walstatt deckten, der ganz in Büffelleder eingenähte Held aber, wie die meisten solcher Maulhelden, in der schimpflichsten Flucht vom Schlachtfelde wich und sich in oder unter ein Bette verkroch, da erscholl von jenem Walde her ein entsetzliches wehklagendes Geheul und Geschrei der unschuldigen Weiber und Kinder jener durch die Aufruhrgelüste des Münzer verführten Bürger und Bauern, die zusahen, wie ihre Väter, Söhne, Brüder, Bräutigame und Freunde ohne Gnade hingeschlachtet wurden.

 

Danach wurde jenem Wald der Name Geheul und Geschrei und jenem Berge der Name Schlachtberg auf alle Zeiten. Das geschah am Montage nach dem Sonntag, da man in den Kirchen Cantate sang. Die Bauern sangen auch vor der Schlacht, gar ein schönes Lied: Nun bitten wir den Heiligen Geist! - aber der Heilige Geist war ihrem Tun und Treiben so fern, wie fern der Himmel von der Hölle ist, und konnte ihre Bitten nicht erhören.

 

Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853

Der Graf von Gleichen - Sage



Graf Ludwig von Gleichen zog im Jahr 1227 mit gegen die Ungläubigen, wurde aber gefangen und in die Knechtschaft geführt. Da er seinen Stand verbarg, mußte er gleich den übrigen Sklaven die schwersten Arbeiten tun, bis er endlich der schönen Tochter des Sultans in die Augen fiel wegen seiner besondern Geschicklichkeit und Anmut zu allen Dingen, so daß ihr Herz von Liebe entzündet wurde. Durch seinen mitgefangenen Diener erfuhr sie seinen Stand, und nachdem sie mehrere Jahre vertraulich mit ihm gelebt, verhieß sie, ihn frei zu machen und mit großen Schätzen zu begaben, wenn er sie zur Ehe nehmen wolle. Graf Ludwig hatte eine Gemahlin mit zwei Kindern zu Haus gelassen; doch siegte die Liebe zur Freiheit, und er sagte ihr alles zu, indem er des Papstes und seiner ersten Gemahlin Einwilligung zu erwirken hoffte. Glücklich entflohen sie darauf, langten in der Christenheit an, und der Papst, indem sich die schöne Heidin taufen ließ, willfahrte der gewünschten Vermählung. Beide reisten nach Thüringen, wo sie im Jahre 1249 ankamen. Der Ort bei Gleichen, wo die beiden Gemahlinnen zuerst zusammentrafen, wurde das Freudental benannt, und noch steht dabei ein Haus dieses Namens. Man zeigt noch das dreischläfrige Bett mit rundgewölbtem Himmel, grün angestrichen; auch zu Tonna den türkischen Bund und das goldne Kreuz der Sarazenin. Der Weg, den sie zu der Burg pflastern ließ, heißt bis auf den heutigen Tag der Türkenweg. Die Burggrafen von Kirchberg besitzen auf Farrenrode, ihrer Burg bei Eisenach, alte Tapeten, worauf die Geschichte eingewirkt ist. Auf dem Petersberge zu Erfurt liegen die drei Gemahel begraben, und ihre Bilder sind auf dem Grabsteine ausgehauen (gestochen in Frankensteins Annal. nordgaviens.).

Kommentar: Sigittarius: Gleichische Historie, B. I, cap. 5. Pauli Jovii (Götze)
Chronicon Schwarzenburg. Tenzel: Monatliche Unterr., 1696,
S. 599 - 620. Melissantes: Bergschlösser S. 20 - 31.

Quelle: Deutsche Sagen, Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Brüder Grimm), Kassel 1816/18, Nr. 575