Vor vielen, vielen Jahren gab es noch sehr dichte Wälder. Die Sonne hatte es schwer durch die Äste und Zweige zu dringen. Deshalb war es auch in der Mitte des Waldes sehr viel dunkler und auch kälter als am Waldrand. In einem dieser Wälder lebten allerhand Gestalten und merkwürdige Tiere, die bisher noch nicht einmal einen Namen hatten. Die Menschen in der Umgebung fürchteten diesen Wald, obwohl er sehr fruchtbar war und reichlich Pilze, Früchte, Kräuter und Holz hervorbrachte.

Eines Tages stieg in jenem Wald Rauch auf und alle angrenzenden Bewohner verriegelten sofort ihre Türen und Fensterläden. Der Vollmond strahlte gerade am Himmel und Angst und Zauber verbreiteten sich in der Luft.

Ein junger Tischler wagte sich am Tag zuvor in aller Frühe zum Rand des Waldes, da ihm das Holz ausgegangen war. Zu seinem Schutz trug er immer sein Amulett, welches schon viele Generationen im Familienbesitz war. Seinen treuen Wachhund, einen Karren und eine scharfe Axt nahm er mit. Bruder und Vater warnten ihn noch zuvor vor den Dämonen und bösen Geistern des Waldes, doch er ließ sich nicht von seinem Vorhaben abbringen.

Er fällte gerade den ersten Baum, da fuhr ihm mit einmal der Schrecken in die Glieder und ein kalter Schauer lief über seinen Nacken. Plötzlich konnte er die Axt nicht mehr heben. Regungslos stand er da und nur seine Augen konnten sich noch bewegen. Als er zu seinen Füßen schaute, sah er im Rest des Baumstumpfes abertausend winzige Eier liegen, die sich mit einem Male rasant vergrößerten und dann platzten.

Sein Hund konnte nicht mehr bellen und wurde zur Hälfte zu Stein. Er hatte einen Zauberbaum gefällt und nahm den Baum gerade die Unsterblichkeit. Nun konnte die Sonne und die angewärmte Luft in den Baumstumpf vordringen und dessen Leben am Waldrand gänzlich auslöschen.

Auf einmal war er von zwei Hexen umgeben, die einst diesen Zauberbaum pflanzten. "Dafür sollst du büßen, du einfältiger Narr," sprach sogleich die ältere Hexe und erhob vor Wut ihren Zauberstab. Noch bevor ihm der Tod ereilte - ging die jüngere Hexe in letzter Minute dazwischen. "Lass ab Mutter, ich bitte dich, nimm ihm nicht das Leben, er könnte uns noch eines Tages von Nutzen sein." Und weil die Hexen-Tochter so bettelte, gab sie am Ende schließlich nach. Sie verwandelte ihn allerdings an Ort und Stelle in einen Esel und er musste zur Strafe beide Hexen bis zu ihrem Hexenhaus tragen. Völlig entkräftet kam er nach ungefähr zwei Stunden dort an. Sie zauberten ihm direkt neben der schiefen Holzhütte einen engen Stall, ohne ein Fenster und gaben ihm noch vorher reichlich Tritte und Schläge. Nach zwei Tagen bekam er endlich etwas Wasser und verschimmeltes Brot. Am dritten Tag musste er alle anfallenden Reparaturen im Hexenhaus erledigen und an den weiteren Tagen Schüsseln, Teller, Krüge und Tassen schnitzen. Während seiner Arbeiten wurde er am Tag wieder zum Mensch und sobald die Dämmerung hereinbrach - verwandelte er sich wieder in einen Esel.

Eines Tages wollte es der Zufall, dass nach mehreren Wochen der Gefangenschaft das Bett der jüngeren Hexe entzwei ging. Sie drängte ihre Mutter so lange, bis sie den Tischler damit beauftragte und er musste sogleich mit seiner neuen und schweren Arbeit beginnen. Die Hexen führten ihn zu einer besonderen Stelle im Wald, wo keine Zauberbäume wuchsen. Jene sollte er schlagen und ein neues und langlebiges Schaukel-Bett bauen.

Die junge Hexe war manchmal auch eine verträumte und verspielte Hexe, die hin und wieder die Menschen in ihren Hütten beobachtete. Oft wurde sie schon von anderen Hexen gerügt, weil sie nicht böse genug sei. Einmal sah sie vor einer fast zerfallenen Hütte ein kleines Schaukelbett - in dem ein kleines Menschenkind lag. Und genau so ein Bett sollte der Tischler für sie erschaffen. Die langen Seiten des Bettes sollten mit Schlangen und Spinnen verziert sein und am Kopfende soll ihr Kater das wertvolle Holz zieren. Das Fußende sollte einer der schwersten Aufgabe für ihn werden. Er sollte dort ihr Ebenbild erschaffen. Bei diesem Gedanke gruselte es ihm besonders.

Aber nach der langen Zeit des Bückens war der Tischler endlich froh wieder für eine längere Zeit aufrecht zu gehen und begann sofort mit der Arbeit um nicht die Hexen zu erzürnen. Gleichzeitig dachte er an Flucht. Doch die beiden Hexen passten gut auf ihn auf und ließen ihn kaum aus den Augen.

Als er ein scharfes Messer zum Schnitzen verlangte, wendet sich die Hexenmutter für eine Weile ab. Bevor sie ging, zauberte sie ihm aber schnell noch Fußfesseln, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt. Jene waren aus starken Efeuranken. Diesen Moment nutzte der Tischler zur Planung seiner Flucht. Als sie gerade im Hexenhaus war um ein geeignetes Messer zum Schnitzen zu holen, dachte er sich schnell eine Lüge für die jüngere Hexe aus. Unter dem Vorwand seine Notdurft zu verrichten, lenkte er ihre Blicke kurzzeitig ab. Blitzschnell griff er zur Axt und befreite sich von den Fußfesseln und rannte so schnell wie es ging noch tiefer in den Wald, um sich vor ihnen zu verstecken.

Als die junge Hexe die Flucht bemerkte nahm sie sofort die Verfolgung auf und alarmierte per Zauberstab die Mutter. Es dauerte nicht lange, da verriet ein ergebener Troll das Versteck des Tischlers. Er hatte sich in dessen Höhle ausgeruht, ohne zu wissen wessen Behausung dies ist. Er ist dort vor Erschöpfung einfach eingeschlafen. Der Zorn der beiden Hexen war gewaltig, sie schäumten inzwischen vor Wut. Als sie ihn beide fanden - zogen sie gleichzeitig ihren Zauberstab um ihn diesmal endgültig das Leben zu nehmen. Der Strahl der beiden Zauberstäbe war aber so intensiv, dass er die Umgebung blendete und direkt auf das Amulett fiel. Jenes reflektierte den Zauberstrahl und beide Hexen sackten plötzlich zusammen. Ihre Körper veränderten sich in wenigen Sekunden und am Schluss waren sie dicke und rote Erdbeeren. Der Zauber fiel vom Tischler ab. Alle Zauberbäume fingen Feuer und ein dichter und schwarzer Rauch stieg auf. Doch schon nach wenigen Minuten löschte auf wundersame Weise eine große und schwarze Regenwolke dieses Feuer und aus der Asche der Bäume wuchsen wundervolle Lebensbäume. Als er allerdings nach den Zauberstäben greifen wollte, wurden diese zu Zuckerstäben. Die Trolle und Dämonen verwandelten sich zu unterschiedlichen Pilzen, manche waren sogar genießbar. Weitere Zauberwesen des Waldes wurden zu Beeren, Sträuchern, Kräutern und Blumen. Und auf einmal ward der Wald viel heller und freundlicher. Überall waren Blumenteppiche zu sehen und die dicksten Pilze sprangen aus dem Boden. Und weil er gerade so hungrig war, bediente er sich gleich an den Früchten und pflückte hernach noch einen dicken Blumenstrauß für sein liebes Weib. Diese hatte sich bestimmt schon sehr große Sorgen um ihn gemacht.

Er wartete noch bis zur frühen Abendstunde und schaute nach dem Sternenzelt. Der volle Mond zeigte ihm den Weg nach Hause. Am Waldrand angelangt, lief ihm aufgeregt sein Hund entgegen. Den Karren ließ er dort zurück, um am nächsten Tag für seine Werkstatt neues Holz zu holen. Die erfreuliche Nachricht seiner Rückkehr verbreitete sich wie der Blitz. Und nach und nach wagten sich die Menschen in den einstigen Zauberwald.

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© by Twity-Autor, 14.08.2014