Und wieder war es einmal soweit


Und wieder war es einmal soweit. Unbarmherzig schlugen die "Gesetzmäßigkeiten" zu. Ich konnte es leider nicht verhindern und muss mich mit den Gegebenheiten wohl abfinden...

Die "liebe Verwandtschaft" hat sich angesagt und jetzt heißt es, Augen zu und durch. In aller Frühe klingelt schon das Telefon, die ersten "Nervensägen" gratulieren mir zu meinem Geburtstag. "Wie ich diesen Tag hasse!" Ich soll mich doch tatsächlich auch noch darüber freuen, dass ich wieder ein Jahr älter werde und somit noch einen Schritt näher am Sargdeckel heran bin.

Abgesehen davon, ist so ein Tag der pure Stress. Gestern Abend habe ich noch meinen "Luxuseinkauf" gemacht, damit sich meine selbst eingeladenen Gäste bei mir auch wohl fühlen. Das Anstellen und das Geschleppe waren wieder einmal "super". Sonderwünsche sollen natürlich auch noch berücksichtigt werden. Man liegt mir schon tagelang in den Ohren, das ich unbedingt meinen leckeren Quarkkuchen, Pflaumenkuchen und vor allem die Sauerkirschtorte machen soll. Der Tortenboden soll natürlich auch noch selber gebacken sein, das versteht sich natürlich von selbst. Nicht zu vergessen, den umwerfenden Kartoffelsalat und die anderen feinen Leckereien. Schließlich kommt man gern zum Durchfuttern und um das Geld wieder hereinzubekommen, was man für das Geschenk ausgegeben hat.

Ich schaue auf die Uhr, sie scheint heute etwas gegen mich zu haben. Die Zeiger rennen nur so. Und ich beginne gegen die Zeit zu rennen!  In sieben Stunden kommen die Gäste. Ich wirbel erst einmal im Schlafzimmer herum, die Betten müssen noch gemacht werden. Mitten in meinem Arbeitswahn klingelt wieder das Telefon, die lieben Kolleginnen und Kollegen der Firma, samt Chefchen bringen mir ein Ständchen. Ich bedanke mich fein und versuche sie abzuwürgen. Es kommt natürlich noch die Bemerkung, ich soll am Montag nicht die Geburtstagsrunde vergessen. Der "Spaß" hat mir doch tatsächlich fast 30 Minuten meiner kostbaren Zeit gekostet.  Nun aber ran!

Mein Staubsauger läuft zur Höchstform auf. Es klingelt an der Wohnungstür. Hausbewohner stehen mit einem Blumenstrauß und einer Glückwunschkarte vor der Tür.  Das finde ich gerade "super nett", da ich ja "unbegrenzt" Zeit habe. Mein frisch gesaugter Teppich im Wohnzimmer, wird erst einmal von ihnen wieder ordentlich eingesaut. Wir stoßen mit einem Gläschen Sekt an und die kleine Knabberei verursacht dann auch gleich wieder, das es mir nicht zu gut geht. Nach kurzer Plauderei, schloss ich hinter ihnen die Wohnungstür.
"Und wieder ist  1 Stunde zum Teufel gegangen."

Erneut schmeiße ich den Staubsauger an und ziehe den Telefonstecker. Dann bin ich eben mal kurz nicht da, soll ja vorkommen, lach. Die Hütte erstrahlt im neuen Glanz, jetzt kann ich meine Küche einsauen gehen...


Inzwischen sind bereits zwei Kuchen gebacken, in der Küche sind trotz geöffnetem Fenster ungefähr 30 Grad. Nur noch lächerliche 3 kg Pflaumen entkernen, Teig kneten, dann ist der dritte Kuchen bald fertig. Und ich langsam auch!
Ich muss erst einmal eine Verschnaufpause machen und ein Zigarettchen rauchen.

Inzwischen sieht die Küche wie ein Schlachtfeld aus. Im Akkord spüle ich nebenbei das gebrauchte Geschirr. Nun schlage ich noch schnell die Schlagsahne und merke, wie ich mitten im Mehl stehe. "Einfach toll, ich bin hocherfreut!"
Und noch ungefähr 1,5 Stunden bis die ersten Gäste kommen!


Der Pflaumenkuchen hat es in sich, es tröpfelt gerade im Herd der Saft von den Pflaumen herunter und brennt sich ein. "Einfach super, das verschönert noch meinen Tag!"
Dadurch entstehen Qualmwolken und ich muss ein zweites Fenster in der Küche öffnen. Draußen stürmt und regnet es inzwischen, das passt hervorragend zu meiner Stimmung. Und alles schön in meine Küche herein. Ich habe die Wahl der Qual. Entweder zieht der Qualm heraus, oder ich schließe die Fenster und alles zieht durch die Wohnung. Also lasse ich es auf die Fensterbretter regnen und sehe nebenbei zu, wie das Regenwasser auf den Küchenboden tröpfelt.


Der letzte Kuchen ist aus dem Ofen, zum Glück schmeckt Pflaumenkuchen auch lauwarm. Für die Säuberung des Backofens bleibt keine Zeit mehr, also einfach Klappe zu und Affe tot. Gut, das ich gestern noch nachts die Salate gemacht habe...

Nun habe ich genau noch 45 Minuten um die Küche aufzuräumen, unter die Dusche zu springen und mich umzuziehen. Das wird wirklich höchste Zeit, inzwischen hat mein Deo bei den Sauna-Temperaturen in der Küche mächtig versagt. Frisch gestylt und neu eingedieselt erstrahle ich im neuem Glanz und suche krampfhaft mit einem hochroten Kopf das Lächeln aus einer "Schublade" -  welches  ich in Anbetracht all dieser bisher genannten Tatsachen unfreiwillig ablegte.


In den verbleibenden 10 Minuten falte ich noch schnell die Servietten und decke den Tisch ein. Eine kurze Verschnaufpause von gerade einmal 2 Minuten verbleiben und es klingelt an der Wohnungstür. Die ersten Gäste sind da...

 

Twity, 06.09.2009

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